Das lateinische Wort "Coxa" bezeichnet folgende Gebilde:
die Hü fte als Körperregion
das Hü ftbein (Os coxae)
das Hü ftgelenk (Articulatio coxae)
Als "Hü fte" im Sinne der Körperregion bezeichnet man die vom Hüftgelen k und dessen Weichteilmantel geformte seitliche Körperpartie zwischen oberem Becken rand und Beginn des Oberschenkel s.
In der Medizin ist mit dem Begriff Koxalgie (besser Coxalg ie) fast ausschließlich ein Hüftgelenksschmerz gemeint.
Ca 10 % unserer stationären Patienten leiden unter chronischen Gelenkschmerzen wobei hauptsächlich die Hü fte betroffen ist (Koxalgie). Nicht selten war bereits ein Hüftgelenkersatz (Endoprothese) vorausgegangen.
Das Hü ftgelenk ist ein sog. Napfgelenk (Articulatio cotylica) für Beuge-, Streck-, Abduktions- (= seitwärts wegführen von der Körperachse), Adduktions- (= an die Körperachse heranführen) und Kreiselbewegungen des Bein es. Die Gelenkkapsel ist durch kräftige Bänder verstärkt (die Ligamenta ilio-, ischio- u. pubofemorale).
Die häufigste
Ursache für eine Koxalgie (Hüftgelenksschmerz) ist die
Hüftarthrose,
eine vorwiegend degenerative (=
abnutzungsbedingte)
Gelenkerkrankung,
die (mit großen Schwankungen) erst mit zunehmendem Alter auftritt.
Bei der sog.
Coxarthrosis deformans (Arthropathia deformans) bestehen chronische, schmerzhafte,
zunehmend funktionsbehindernde Gelenkveränderungen infolge eines Mißverhältnisses
zwischen Belastung und Belastbarkeit des Gelenkknorpels.
Betroffen sind vor allem das Hü ft- und
Kniegelenk.
Die
Ausbildung einer
Arthrose
und die damit verbundene
Koxalgie kann durch mehrere
Faktoren begünstigt werden. So z.B. bei Vorschädigungen infolge eines Unfalls,
durch eine eigenständige
Gelenksentzündungen, oder auch durch
eine
permanente Fehlbelastungen z.B. bei Fehlstellung der
Beine (X-
oder O-Be ine).
Zur Prävention (= Vorbeugung)
einer
Arthrose
sollten deshalb präarthrotische
(= einer Arthrose vorausgehenden,
eine Ar throse
begünstigende)
Deformitäten (=
Fehlbildungen)
beseitigt werden.
Eher selten können auch Tumore
zu einer Koxalgie führen, meist geht
diese von der Innenhaut der
Gelenkkapsel (Membrana synovialis) oder von der Gelenkkapsel selbst aus.
An gutartigen Tumoren kommen vor:
Lipome (= Fettgewebsgeschwulste),
Fibrome (= Bindegewebsgeschwulste) oder
Hämangiome (= Wucherungen von Blutgefäßen).
Bösartig
ist das maligne Synovialom.
Zu einer Koxalgie kommt es auch bei
einer
Gelenkentzündung infolge einer Systemerkrankung. I.d.R.
sind dann aber mehrere
Gelenke betroffen. Als Ursache dominieren
rheumatische
bzw. rheumatoide (= rheumaähnliche)
Prozesse.
Im Jugendalter kann ein
Gelenkschmerz bzw.
eine Koxalgie
im Rahmen einer systemischen juvenilen chronischen
Arthrits
(=
Gelenksentzündung)
(Still Syndrom) auftreten,
eine meist symmetrisch verteilte
Polyarthritis (=
En tzündung in mehreren
Gelen ken).
Begleitende Krankheitszeichen sind Fieber, Milz- und Lebervergrößerung sowie
Lymphknotenschwellungen.
Bei oder nach Infektionskrankheiten (z.B. Masern, Mumps, Röteln, Windpocken)
kann es ebenfalls zu
Gelenksschmerzen
und damit auch zu einer zu einer Koxalgie
kommen, die sog. parain fektiösen
reaktiven
Arthritiden
(=
Gelenkentzündungen).
Schmerztherapie bei Koxalgie:
Eine chronische (= länger als drei Monate bestehende) Koxalgie führt wie jede chronische Schmerzkrankheit zu einer Art Überreizung der Schmerznerven. Unser Körper funktioniert nach dem Prinzip, dass das, was häufig im Körper passiert, durch den Organismus unterstützt bzw. auch verstärkt wird. Leider gilt dies auch für eine Koxalgie. Dies führt bei Dauerschmerzen zu einer Veränderung der schmerzleitenden Nerven dahingehend, dass selbst ein geringer Reiz als starker Schmerz weitergeleitet wird.
Je nach Schmerzursache gibt es meist eine auf die Grundkrankheit abgestimmte Therapie (z.B. bei zu starker Abnutzung ein chirurgischer Hüftgelenksersatz). Manchmal ist es aber noch zu früh für eine Operation oder die Koxalgie dauert trotz der Operation an. Dann sind allgemeine schmerztherapeutische Behandlungsmethoden gefragt, die oft bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen sind, da sie sich nach dem Schmerz und seiner Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach seiner Ursache richten. Ein chronischer Schmerz (= länger als drei Monate bestehender) in der Hü fte (Koxalgie) erfordert praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren. Die bei einer Koxalgie üblichen Therapieverfahren der Speziellen Schmerztherapie sind:
Medikamentöse Schmerzbehandlung bei Koxalgie:
Akut
(= plötzlich einsetzend, heftig) und
subakut (= eher schleichend verlaufend) können bei Koxalgie zunächst (vorwiegend)
peripher wirkende
Analgetika
(= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (=
Rheumamittel),
aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®).
Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®)
oder Etoricoxib (Arcoxia®),
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib
und
Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere
Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren
schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B.
Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden.
Manchmal sind aber die Schmerzzustände nur
mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N®)
(= im Gehirn bzw.
Rücken
mark wirkende
Schmerzmittel) beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber auch bei
Koxalgie eine längerfristige
Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Abhängigkeit
vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression, aber auch
bei chronischer Koxalgie wirksam) (z.B.
Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel
bzw.
Lokalanästhetika)
bei einem Hüftgelenksschmerz:
Indem man die am Schmerzgeschehen beteiligten Ner ven
für eine längere Zeit möglichst
mehrfach täglich mit einem örtlichem Betäubungsmittel betäubt,
„beruhigt“ man diese Ner ven
und der Körper kann den Schmerz in der Hü fte wieder bis zu einem gewissen Grad „verlernen“. Zudem können Spritzen mit
einem örtlichem
Betäubungsmittel bei einer Koxalgie
helfen, die
Muskulatur
zu
entkrampfen und damit die Krankengymnastik zu erleichtern.
Bei einer Koxalgie
sind häufig auch
Katheterverfahren
sinnvoll. Hierbei wird über einen dünnen Kunststoffschlauch, der in örtlicher
Betäubung dicht an den schmerzleitenden Nerv gelegt wird, mehrfach täglich ein
örtliches Betäubungsmittel eingespritzt. Das örtliche Betäubungsmittel wird
dabei so verdünnt, dass die Muskelkraft weitgehend erhalten bleibt bei
gleichzeitiger deutlicher Schmerzlinderung und guter Muskelentspannung und so
begleitend eine sinnvolle Krankengymnastik möglich ist, bzw. oft erst möglich
wird.
Die das Hü ftgelenk versorgende Ner ven
stammen aus dem sog. Pl exus lum balis (=
Nervengeflecht der Lend e). Dieser
Plexus kann über den Nervus femora lis
(=
vorderer Oberschenkelnerv),
der selbst dem Pl exus lum balis entstammt, betäubt werden. Der dünne
Kunststoffschlauch (Katheter) wird deshalb etwas unterhalb der
Leiste
an den
vorderen Oberschenkelnerv gelegt, und zwar genau in dessen Nervenscheide (=
Gewebsumhüllung der Nervs).
Während nun das verdünnte, örtliche Betäubungsmittel mehrmals täglich in
den Katheter eingespritzt wird, wird der Oberschen kel mit einer Manschette
unterhalb der Kathetereinstichstelle abgestaut. Auf diese Weise wird das
eingespritzte örtliche Betäubungsmittel innerhalb der Nervenscheide nach oben
„getrieben“ und betäubt dann zusätzlich den Pl exus lum balis und damit auch
das Hü ftgelenk.
Wenn eine Koxalgie beiderseits
besteht, wird man eher die epidurale (=
rückenmarknahe)
Betäubung mit Katheter durchführen.
Nervenblockaden haben darüber hinaus einen sehr günstigen Nebeneffekt. Durch die gleichzeitige Blockade vegetativer Nervenfaseranteile (= Ner ven des unwillkürlichen Nervensystems) kommt es im korrespondierenden Gewebebereich zu einer sehr deutlichen Mehrdurchblutung, die jedem entzündlichen oder auch degenerativen Prozeß nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist bei einem Hüftgelenksschmerz aufgrund einer Art hrose oder Arthritis diese Schmerzbehandlung nicht nur symptomatisch (= nicht nur auf den Schmerz gerichtet), sondern auch kurativ (= heilend).
Wenn eine chronische Koxalgie längerfristig besteht, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
Weitere schmerzhafte
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Aktualisiert: 7.11.2006
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